• Maj & Rouven

Belize - Dem Paradies ganz nah

Aktualisiert: 31. Mai 2019

SAN IGNACIO | PLACENCIA | LAMANAI


Belize empfing uns herzlich, schwül und heiß. Wir passierten die Grenze ohne Probleme, holten uns einen neuen Stempel in unsere Pässe und landeten an unserem Zielort: San Ignacio. Als wir dort ankamen flammten Rouvens Augen bereits auf, denn seine Spürnase hatte noch vor dem Ortsschild den hiesigen „Ground“ des Erstligisten FC Verde entdeckt.

Bevor Rouven noch über die Mauer des Stadions klettern konnte, zog ich ihn schnell in ein Taxi und fünf Minuten später waren wir an der Unterkunft.

Hier blieben wir die kommenden vier Nächte und freuten uns darauf, das gemietete Baumhaus zu beziehen. Es wurde bei Airbnb in den höchsten Tönen gelobt und so wollten wir, inmitten der Natur, ein paar Tage entspannen. Schön sah es aus, nur nicht ganz so einsam wie wir es uns erhofft hatten. Die Luftfeuchtigkeit machte uns zu schaffen und sogar der „erfrischende“ Fluss im Örtchen glich einer warmen Welle des Urins.





Wir hatten lediglich einen Ventilator, der uns ab und an Abkühlung verschaffte. Wenn jedoch nur warme Luft um einen ist, können die Rotorblätter auch nicht mehr tun, als uns diese ins Gesicht zu pusten. So schwitzten wir unser Dasein und verbrachten die Tage ruhig und langsam. Fast in Faultiergeschwindigkeit, um keine unnötige Energie zu verschwenden. Die Gastgeber waren außerordentlich freundlich und wir genossen die gute Gespräche im Garten. Kolibris flatterten über unsere Köpfe hinweg und riesige Iguanas kreuzten behutsam unseren Weg. Touristen kommen üblicherweise nach San Ignacio, um die gigantischen Höhlensysteme zu erkunden. Hier gibt es das weltweit größte zusammenhängende Höhlensystem. Da ich leider „etwas“ unter Klaustrophobie leide und auch Rouven seine Probleme damit und mit seinem Fuß hatte, kam das für uns nicht in Frage. Denn innerhalb der Höhlen verlaufen die Touren durch immer schmaler werdende Felsspalten, bei denen man sich teilweise komplett verrenken muss, um auf die andere Seite zu gelangen. Manchmal muss man erst seinen Kopf durch eine Spalte pressen, um anschließend den Körper hinterher zu ziehen. Alleine bei dem Gedanken daran schnürt sich meine Kehle zu und ich lehne dankend ab. Dann doch lieber zum FC Verde, einen Länderpunkt machen. Rouven ließ natürlich nicht locker und das Glück war auf seiner Seite, sodass wir tatsächlich ein Fußballspiel in San Ignacio, Belize, zu sehen bekamen. Während zeitgleich der FC Bayern seine x-te Meisterschaft in Deutschland „feierte“, schauten wir uns Fußball von leidenschaftlich aufspielenden Jugendlichen an. Das Stadion war mal wieder ein Kracher!

Selten so ein zusammengeschustertes „Stadion“ gesehen wie in San Ignacio.

Auf der wackeligen Tribüne nahmen wir Platz und genossen die Eindrücke.



Der Schiedsrichter lief in Badelatschen auf und die untersetzten Kinder schwitzten schon beim Stehen. Wer kann es ihnen verübeln bei dieser Hitze. Auch wir waren bereit für die Küste und frischer Luft und so verließen wir, nicht unglücklich, San Ignacio in Richtung Placencia.

Wir freuten uns auf neun Tage frische Brise, warme Sonnenstrahlen, kühles Nass und Abenteuer in der Unterwasserwelt. Wir fuhren mit Umstieg gute 5,5 Stunden Richtung Placencia und auch diese Busfahrt sollte wieder ein wilder Ritt werden. Für Überlandfahrten innerhalb Belize werden ausrangierte amerikanische Schulbusse eingesetzt. Sie sind, wie der Name schon sagt, für Schulkinder konstruiert, die vielleicht 1,60 m groß werden und maximal eine halbe Stunde Schulweg vor sich haben. Nicht aber für Europäer mit einem Gardemaß und für stundenlange Fahrten über Buckelpisten.




Wir saßen hintereinander am Gang, denn die Busse gleichen meist einer fahrenden Legebatterie. Weshalb sie in Belize auch von offizieller Seite als „Chicken-Busse“ bezeichnet werden. Aber alles Jammern half nichts. Wir schauten auf die fortschreitende Uhr und freuten uns auf die baldige Ankunft. Nun war es nicht mehr weit!

Etwa 20 Kilometer vor unserem Ziel, durchfuhr uns ein markerschütternder Knall. Allen im Bus war der Schrecken ins Gesicht geschrieben. Der erste Gedanke war: „Hat es jetzt echt den halben Bus zerrissen und nun wird ein Teil davon einfach auf der Straße mitgeschleift? Oder ist es mal wieder einer dieser Überfalle?“ Es entpuppte sich als weniger spektakulär, lediglich ein geplatzter Reifen sollte unsere Weiterreise unterbrechen. Die meisten Insassen stiegen aus dem Bus und begutachteten das Geschehen. Noch gar nicht richtig in der Situation angekommen, blieben wir stumm auf unseren tauben Hintern und der Pritsche sitzen. Keine 30 Sekunden später rief der Busfahrer alle wieder rein und startete den Motor. Mir war nicht bewusst, dass hier Monteure der Formel1 am Werk waren und den Reifen innerhalb von wenigen Sekunden zu wechseln wussten. Erwartungsgemäß war dem auch nicht so. Als hätte es den Reifenplatzer nicht gegeben, wurde dieser einfach ignoriert und der Busfahrer fuhr unbehelligt weiter. In Deutschland hätte man sich brav mit Warnweste vor dem Bus aufgereiht, um dann auf den ADAC und die Polizei zu warten. Hier wurde die Reggae Musik einfach lauter gemacht und es ging auf drei Reifen und einer Felge weiter.

Die Kilometer schmolzen nur langsam dahin und das Klappern der Felge war allseits präsent. Mit dem Beat der Straße ging es Meter für Meter voran. Nach knapp 8 Kilometern wechselten wir dann doch in einen „intakten“ Bus, der augenscheinlich noch vier Reifen aufweisen konnte. Schade, wir hatten uns gerade an den Rhythmus der Karibik gewöhnt.



Unsere Airbnb Unterkunft war an ein Resort gekoppelt und so holte uns ein Angestellter mit einem Golfcart ab. Wir hatten schon gehört, dass dies die gängige Art der Fortbewegung in Placencia war und freuten uns auf die Fahrt.

Den Service des Resorts fanden wir fantastisch. Wir brauchten die Rucksäcke nicht tragen, nicht nach einem Taxi rufen und keine weiten Strecken auf Schusters Rappen bewältigen. Weit war es ohnehin nicht, denn nach 5 Minuten endete die Fahrt schon. Auf dem Golfcart fühlte sich Rouven wie Manuel Neuer, nur ohne Handicap und leider ohne seinen Kontostand. Dafür mit Cola Zero in seinen Händen! Wir bezogen unser Apartment und ein Geruch aus Chemie, Kommodenlack und Kopfschmerz dampfte uns entgegen. Stolz prahlte der Fahrer, dass alles frisch gestrichen sei. Toll, dachten wir. Das hätten sie auch bleiben lassen können. Wie sollen wir hier bloß neun Tage überleben? Wir rissen die Fenster auf und gingen zunächst einkaufen. Wenn Rouven und ich unsere Reisen mit einem Wort beschreiben sollten, wäre es Bolognese. Denn egal wie oft und wohin wir reisen, dieses Gericht ist einfach und schnell zubereitet und schmeckt in jedem Breitengrad. Die Supermärkte in ganz Belize werden ausschließlich von Chinesen betrieben. Hier haben sich die Triaden breit gemacht und kontrollieren die Preise. Resultat ist, dass es wenig Auswahl gibt. Die wenigen Sachen sind durch die Monopolstellung umso teuerer, wenn sie nicht das Verfallsdatum um eine Dekade überschritten haben und völlig verschimmelt sind… Nachdem uns unsere Visaagentur vor einigen Tagen mitgeteilt hat, dass es erneut Änderungen für unser beantragtes Chinavisum gibt und wir nun von den Bahamas aus neue Formulare ausfüllen müssen und es noch teuerer wird, freuen wir uns immer mehr auf das chinesische Volk und das Reich der Mitte!

Zurück von unserem Einkauf merkten wir in der Unterkunft, dass der Gestank der Chemiekeule unverändert blieb und so gingen wir an die Rezeption. Hier gab es noch richtigen Service am Gast! Sie verstanden es die Situation perfekt zu meistern und wir durften uns ein anderes, direkt in der Anlage liegende Apartment aussuchen. Mit einem traumhaften Balkonausblick auf Strand und Meer, fühlten wir uns pudelwohl und freuten uns auf die kommenden Tage.




In Placencia stand nicht viel auf dem Zettel. An einigen wenigen Tagen im Jahr sind Walhaie zu Besuch vor Placencias Küste und eines unserer Highlights sollte das Schnorcheln mit den größten Fischen der Welt werden. So jedenfalls malten wir es in unseren Köpfen aus. Wir klapperten am Folgetag einige Reiseagenturen ab, um uns nach dem besten Angebot für Schnorchelausflüge zu erkundigen. Die erste Agentur schockte uns direkt mit der Aussage, dass wir erst in sechs Tagen mit auf einen Bootstrip könnten. Alles ausgebucht! Zum Glück hatten wir ausreichend Zeit in Placencia eingeplant, waren dennoch erstaunt über die vollen Bücher. So zogen wir weiter von Agentur zu Agentur. Bis wir schlussendlich bei Ruth und Fred landeten. Die beiden betreiben ein kleines Reiseunternehmen in Placencia und bieten, wie alle anderen, Schnorchelausflüge an. Nur dass hier zwei ehrliche Häute auf dem Bürostuhl sitzen. So erfuhren wir, dass die Walhaie dieses Jahr noch nicht einmal gesichtet wurden und sie daher keine Touren anbieten. Sie starten die Ausflüge zu den Giganten erst, wenn diese auch garantiert gesichtet wurden. Da so ein Ausflug gut 200 USD kostet waren wir dankbar für die offenen Worte der Beiden. Zugleich waren wir natürlich enorm traurig aber so muss man der Natur ihren Lauf lassen und einige Dinge auf der Welt können nicht erzwungen werden. Ein paar mitreißende Geschichten von Fred später, buchten wir zumindest einen Schnorchelausflug zu zwei Inseln und genossen den Ausklang des Abends mit Rum an unserem Hotelsteg. Ein gepunkteter Rochen, welcher zu unseren Füßen entlang glitt, rundete den Abend perfekt ab. Da wir den Schnorchelausflug noch bezahlen mussten, schlenderten wir am Nachmittag des Folgetags erneut zu Ruth und Fred ins Büro.

Wir freuten uns die beiden wiederzusehen und wurden prompt in abenteuerliche Geschichten verwickelt. Nach einigen amüsanten Anekdoten fragte uns Fred, ob er uns morgen auf eine Insel, 3 Meilen vor der Küste, mitnehmen soll. Er müsse dorthin, den Hund Mango füttern und wir könnten dort ein bisschen schnorcheln. Wir freuten uns enorm über seine Einladung und innerlich hofften wir, dass vielleicht zufällig ein Walhai aus dem Wasser springt, einen dreifachen Salto schlägt, während er eine Champagnerfontäne sprüht und uns zuprostet. Man darf ja wohl noch träumen. Vielleicht sind solche Gedankengänge aber auch schlicht den letzten Auswirkungen des Kommodenlacks geschuldet…



Bevor wir an dem Abend jedoch im Hotel ankamen, stießen wir noch auf ein Rudel Amerikaner. Sie alle kamen aus Kentucky (das erwähnten sie mehrfach) und baten uns ein Gruppenfoto von ihnen zu schießen. Da Rouven das Talent besitzt bei Handyfotos mehr seinen Daumen drauf zu haben als alles andere, übernahm ich die Aufgabe. Kaum waren die Fotos im Kasten, schoss das Maschinengewehr an Fragen bereits auf uns ein. Die Neugier der Amerikaner war unersättlich und ein paar „We are from Germany“ und ein „We are on a worldtrip at the Moment“ später lagen sie uns zu Füßen. Eine Dame erwähnte, sie hatte Bekanntschaft in Hermannsburg. 10 Kilometer von Celle entfernt. Die Welt ist klein. Sehr klein. Und hätte man die alkoholgetränkten Fahnen der geselligen Runde in ein Glas gefüllt, wäre ein vollmundiger Küstennebel herausgekommen. Wir fühlen uns wie Raritäten und genossen die ehrliche und liebe Art der Gesellschaft. Eine der Frauen hat bestimmt 5 x fassungslos „Sie hat ihren Job für diese Reise gekündigt!!! Ihren Job!!!“ ausgerufen und kam mit dieser Information von mir anscheinend nicht wirklich zurecht. Happens. Als das Großraumtaxi kam und alle einsammelte, hörten wir nur noch ein Rauschen im Ohr. Der Orkan der Amis hat uns umgehauen.

Am Folgetag packten wir unsere sieben Sachen für den Ausflug mit Fred. Treffpunkt war 13:00 Uhr und wir fuhren „pünktlich“ um 14:15 Uhr von Dannen. Eigentlich wollten wir ja zu dieser Insel mit dem Hund, doch es sollte natürlich, wie immer, alles anders kommen. Nun müsst ihr über Fred wissen, dass er ein enorm charismatischer Lebemann ist. Er hat sich viele Jahre Auszeit genommen, um die Welt zu erkunden und hat sich schließlich in Belize niedergelassen. Viele Jahre Auszeit bedeuteten in seinem Fall fast ein Viertel Jahrhundert! Er besitzt mehrere Inseln und verkauft sie teilweise. Eine von ihnen jedoch vermietet er exklusiv an Touristen. Zu sechst kann man „Bird Island“, mit einer Wartezeit von zwei bis drei Jahren anmieten. Fünf Freunde waren aktuell auf der Insel und den sechsten Nachzügler, Ean, musste Fred noch übersetzen. Ean zu beschreiben braucht nicht viel. Er war dem Schlagerstar Michael Wendler nicht nur wie aus dem Gesicht geschnitten, auch die Mimik und Gestik waren dem Narzissten bis aufs kleinste Detail identisch. In jeder Großraumdisco Deutschlands hätte Ean das perfekte Wendler Double abgegeben und keiner hätte einen Unterschied festgestellt. Somit tauften wir ihn folgerichtig in „Der Wendler“ um.

Uns machte der Umweg nichts aus und wir waren neugierig auf „Bird Island“. Danach würden wir dann Mango füttern fahren. Die winzig kleine Insel, „Bird Island“, liegt 6 Meilen vor der Küste und misst kaum mehr als 200 m2 Fläche. Damit ist sie eine der kleinsten Inseln, die direkt auf einem Korallenriff liegt. Cast Away lässt grüßen. Nach einer unruhigen Überfahrt mit dem Boot kamen wir an und drei knallbunte Holzhütten strahlten uns entgegen.




Da Eans Freunde auf einem Angeltrip waren, nutzen wir die Wartezeit und schnorchelten am Riff entlang.

Auch „Den Wendler“ packte die Lust auf das Meer und er wollte mit uns schnorcheln. Nichts ahnend, dass er plötzlich mit einer Harpune vor uns stand, wie Neptun mit seinem Dreizack. Er wolle Jagd auf Walhaie machen. „Let´s catch some fish!“ Fred, Rouven und ich schauten leicht verwirrt in alle Richtungen und verstanden diese fanatische Waffenliebe ganz und gar nicht. Während des Schnorchelns tauchte Ean immer mal wieder hinter uns auf. Dieser irre Blick hinter seiner Tauchermaske machte uns etwas Sorgen! Nicht, dass er aus reinem Jagdfieber einfach auf uns zielt.

Schlussendlich kamen wir heile aus der Nummer raus, ganz ohne Durchschuss. Das Riff war vom Sand aufgewühlt und bis auf ein paar Seesterne und einem kleinen Blue Hole ergatterten unsere Augen nichts Spektakuläres. Nachdem ich bestimmt 1 Liter Salzwasser verschluckt hatte und meine Kamera nur wackelige Aufnahmen vom enorm hohen Wellengang aufzeigte, verließen wir das kühle Nass und begrüßten die restlichen Flaschen des amerikanischen Sixpacks, die mittlerweile vom Angeln zurück waren.

Sehr reserviert waren sie, aber zum Teil ganz freundlich. Fred deutete an, dass wir nun zügig an Land müssen und so schaukelten wir den Wellen entgegen Richtung Festland. Den Wind im Rücken ging es ziemlich schnell und ein paar harte Klatscher auf dem Meer später schipperten wir in den sicheren Hafen ein. Den Hund Mango zu füttern verschoben wir, aufgrund der Wetterlage, auf den Folgetag.




Am nächsten Tag saßen wir um 10:00 Uhr in Fred´s Büro. Vom Lebemann aber war weit und breit nichts zu sehen. Seine Frau sagte uns, dass er erst um 11:30 Uhr kommen würde. Er hätte noch zu tun. Wir verbrachten die Wartezeit am Strand und genossen den Wind und die Sonne unter Palmen. Als er dann aufschlug waren seine Haare frisch gefärbt. Ob das der Grund seiner Verspätung war? Wir packten noch ein paar Utensilien, wie Flossen, Schwimmschuhe und zwei Scooter ein und brausten los. Fred war unendlich stolz auf seine Scooter. Die kleinen Motoren, die man mit den Händen bedient, ziehen einen mit Vollspeed durch das Wasser und man fühlt sich wie James Bond. Ein absoluter Gaudi!

Es ging also heute zu einer Insel, die vom Riff umgeben und komplett verlassen war. Nennen wir diese Insel mal „Mango Island“.

Mehr über diesen Ausflug und der besonderen Geschichte dahinter erfahrt ihr unter der Story der Woche #04 „Ein Hund namens Mango“. Um keine doppelten Geschichten zu erzählen, sparen wir uns „Mango Island“ an dieser Stelle und wünschen viel Spaß beim Lesen von der Story der Woche. Als Mitbringsel von "Mango Island" hatte ich rote Flecken am ganzen Körper. Fred zuckte mit den Schultern und murmelte irgendwas mit Feuerkorallen. Gut, dachte ich mir. Wird schon nicht so schlimm sein. Essig würde helfen, sagte er noch und so endete der Tag mit zauberhaften Erinnerungen und einer feuerroten Haut.




So sehr wir die Ausflüge der letzten Tage auch liebten, es war sehr schön, heute einfach mal keine Termine zu haben. Schon Harald Juhnke erkannte, dass das perfekte Leben aus „Keine Termine und leicht einen Sitzen“ besteht. So schnappten wir uns die Räder des Resorts und erkundeten ein wenig die Gegend. Nachdem wir wieder off-road abgebogen sind, landeten wir an einem herrlich gelegenen, komplett einsamen, Strandabschnitt. Am Horizont entdeckten wir einen langen Steg mit Liegen, der wohl zu einer Hotelanlage gehört. Wir schlenderten den Weg auf dem Strand entlang und genossen die Ruhe. Herrlich war es hier.




Wir ließen uns an ein paar schattenspendenden Palmen nieder und entspannten uns. Der Stress des Alltags in Deutschland wich von unseren Schultern und es gab nur uns und den Moment. Das Wasser war durch den Regen der vergangenen Nächte sandig und dieser klebte wie Paniermehl auf der Sonnenmilch gecremten Haut. Genau hinter unserem ausgewählten Ort der Entspannung war ein verlassenes Ferienhaus mit Pool und Außendusche. Wir hatten das dringende Bedürfnis uns den Sand vom Körper abzuduschen und so huschte ich kurzer Hand auf das Gelände. Es fühlte sich schon sehr verboten an. Rouven stand noch unentschlossen am Eingang und zögerte. Er kann ja auch nicht mehr so schnell wegrennen…Während ich schon fertig geduscht war, wurden Rouvens Augen plötzlich groß und er deutete an, dass jemand näher kam. Adrenalin schoss durch meinen ganzen Körper. Ich flitze raus aus der Dusche und runter vom Gelände. Der Mann knurrte Rouven entgegen, sagte jedoch nichts. „Wir wurden von einer Qualle berührt und wollten es kurz abduschen“, logen wir. So wurde auch Rouven eine kurze Dusche gewährt, die er zügig hinter sich brachte.




Auf dem Rückweg hielten wir bei dem buntesten Foodstand aller Zeiten. Carmens Kitchen leuchtete uns förmlich entgegen. Wir aßen zwei köstliche Burritos und tranken diesen köstlichen Wassermelonen Saft, welchen es an jeder Ecke gibt. Definitiv etwas, was man an heißen Sommertagen in Deutschland auch herstellen sollte! Noch einen zweiten Drink auf die Faust, radelten wir Richtung Hotelanlage.



Am nächsten Tag stand nun endlich der große Schnorcheltrip zu den „Silk Cayes“ und „Laughing Bird Island“ an. Zwei berühmte Inseln, welche an jeder Ecke des Landes angepriesen werden. Besonders die „Silk Cayes“ sollen einem den Atem rauben. Traumhaft schöne Unterwasserwelten, karibisches Meer, türkisblaue Farben, Einsamkeit und knallbunte Fische sollten uns erwarten. Inzwischen gingen wir bei Fred und Ruth im Büro ein und aus wie Freunde. An manchen Orten auf der Welt braucht man einfach das Gefühl von „Zuhause“. Hier trafen wir auf Ore, unserem Schnorchellehrer für Heute. Er stellte sich vor: „Ich bin mit Ore. Wie der Keks, nur ohne O am Ende.“ Er entpuppte sich als enorm netter Kerl.

Wir warteten noch auf zwei weitere Gäste und ich fragte, ob meine roten Flecken von den Feuerkorallen nach wie vor normal aussahen. Sie kratzen inzwischen enorm und nervten mich sehr. Fred und sein charmantes Halbwissen nickten nur sanft. Während Lee, der Sohn von Ruth und Kapitän der Boote einen Blick darauf warf. „Das sind keine Feuerkorallen! Du wurdest von Sandflöhen gebissen. Und das nicht zu knapp!“ Na toll. Ich fragte erschrocken, ob die Flöhe Eier in meinen Körper abgelegt hatten. Im Biounterricht der 9. oder 10. Klasse haben wir leider einen extrem abstoßenden Film über Parasiten und Eierablage in Menschenkörpern geschaut. Alle lachten und schüttelten den Kopf. Mehr oder weniger beruhigt, kratze ich meine Arme nun noch ein bisschen intensiver. Da hilft nur abwarten, war die Antwort von Lee. „Oder Essig!“, rief Fred mir noch entgegen. Seine Allroundlösung für alles. Nachdem die zwei weiteren Touristen nicht mehr auftauchten, fuhren wir zum Boot und setzen zunächst nach „Bird Island“ über, um die die fünf Freunde und "den Wendler“ aufzusammeln. Die Amis hatten ebenfalls die Tour gebucht und so begrüßte uns „Der Wendler“ überschwänglich und winkte aufgeregt mit den Armen. Direkt fragte er, ob er seine Harpune mitnehmen dürfe, worauf Lee nur verächtlich den Kopf schüttelte. Es sei alles geschütztes Gebiet. „Gott sei Dank“ dachte ich still bei mir und ich glaube auch alle anderen waren nicht unglücklich über Lee’s Veto.

Nach einem sehr angenehmen Bootstrip von rund 50 Minuten, kamen wir bei den „Silk Cayes“ an. Es empfing uns eine winzige Insel, von türkisblauem Wasser umschwemmt. Auf der Insel gab es quasi nichts. Der weiße Sandhaufen bot gerade einmal Platz für eine kleine Holztoilette, einen Grill sowie vier bis fünf Palmen. Kurz überlegt, ob ich noch etwas nennenswertes auf der Insel vergessen habe, fällt mir spontan noch der Anblick von mehreren Hundertschaften anderer Touristen ein, welche sich auf der Mini Insel tummelten. Schon von weitem sahen wir dutzende Boote. Aus diesen wuchteten sich massige, übergewichtige Körper. Hilfe, die Amis kommen! Na klasse, dachten wir uns. Der Karibiktraum war kurzzeitig geplatzt, wie der Reifen unseres Schulbusses. Das Paradies, welches keines mehr war.




Ore lachte laut auf und begrüßte uns auf den „Silk Cayes“… „Deshalb gehen wir hier nur alle schnell aufs Klo und zischen gleich wieder ab.“ Gesagt getan, ein paar Fotos noch zu Dokumentationszwecken von den Massen und dann war das „Island“ auch schon Geschichte.

Wir fuhren weiter hinaus aufs Meer. Es wurde prompt ruhiger und friedlicher um uns herum. Wir wussten schon, wieso wir uns für diese Agentur entschieden haben.

„STOP, hier sind sie schon!“, rief Ore nach rund 5 Minuten Fahrt. „Guck mal Maj, die Haie!“ Ich staunte und Rouven schluckte. Ich wusste schon, dass wir mit etwas Glück Haie und Schildkröten sichten werden. Rouven anscheinend jedoch nicht so wirklich. Er fragte noch, ob wir da jetzt echt reingehen können ins Wasser, da sprang ich mit Ore schon ins Ungewisse. Taucherbrille auf, einen Blick unter sich riskiert und heiliges Kanonenrohr! Wie viele Haie sich unter mir tummelten. Es handelte sich um Ammenhaie, eine sehr freundliche Gattung. Auch Rouven fand seinen Weg ins Wasser und mit jedem Atemzug durch den Schnorchel wich die Angst und die Freude stieg in uns auf.





Rochen schwammen mit ihren langen Schwänzen an uns vorbei und Meeresschildkröten kreuzten unseren Weg. Wir waren zu Gast in einer Welt, die wir sonst nur von Terra X kannten. Das alles war von so unschätzbarem Wert, dass einem fast die Tränen kamen. Niemals hatten wir mit solch einer Artenvielfalt und Schönheit gerechnet. Dankbar für jede Sekunde genossen wir die Momente auf hoher See. Ein Blick nach rechts zu den Amis verriet uns, dass sie nach ein paar Minuten Staunen nun eher Wettrennen mit den Scootern veranstalteten. Sonderbare Zeitgenossen waren das. Wenn man die Tiere nicht jagen darf und nur anschauen, wird ihnen vermutlich schnell langweilig. Wir tauchten stattdessen noch etwas ab ins Reich der Meeresbewohner.

Nachdem wir alle erschöpft aber unendlich glücklich waren, schwammen wir zurück zum Boot. „Wir fahren nun 20 Minuten und dann sind wir auf „Laughing Bird Island“. Lehnt euch entspannt zurück.“ Gesagt getan und die Insel sah von der Ferne schon deutlich weniger touristisch aus. Lediglich vier weitere Boote waren vor Ort und die Insel erstrahlte im Bild der Karibik, wie wir es uns gewünscht hatten. Bob Ross hätte es nicht kitschiger auf die Leinwald pinseln können.





Dutzende Pelikane tauchten auf der einen Seite der Insel ins Wasser und fingen sich ihre Mahlzeiten. Ruhe kehrte in unsere Herzen und Hunger in unsere Mägen. Nun erstmal Lunch. Ruth hatte gekocht und es war köstlich. Hähnchen, Reis und Pastasalat mit Schrimps, frisches Obst und Brotpudding. Danach war an einen zweiten Schnorchelausflug gar nicht zu denken. Kugelrund verdauten wir alle unsere „Foodbabys“ und entspannten unter den Palmen. 40 Minuten und ein paar Verdauungsbewegungen später stand Schnorchelgang Nummer Zwei an. Diesmal ohne Haie und Schildkröten, dafür mit bunten Fischen und Korallen. Wir genossen es die Unterwasserwelt zu erkunden und Rouven glitt mit dem Scooter durch das Riff. Von gelben, roten und bunten Fischen, über lila Korallen und goldenen Krabben bis hin zum Seeigel, es war alles vorhanden. Die Korallen waren nicht ganz so knallbunt wie Farber Castells Stiftesammlung, dennoch war die Welt unter uns zauberhaft.



Nachdem uns auch hier die Kräfte irgendwann ausgingen und wir alle Korallen umrundet hatten, kehrten wir zum Schiff zurück. Dann hieß es auch schon: Leinen los, Motor an und ab ans Festland. Wir hätten uns diesen Tag nicht schöner wünschen können. Dankbar für all die Eindrücke sichteten wir noch Video und Fotomaterial und konnten nicht fassen an welch zauberhaften Orten wir heute sein durften. Die Welt ist schön und bunt und wir müssen alles tun, diese zu schützen. Das empfindsame Gleichgewicht oberhalb und unterhalb der Meeresoberfläche ist unsere Wiege.

Den folgenden Tag an Land machten wir uns so schön wie möglich. Wir liehen uns ein Golfcart und erkundeten die Landzunge. Es machte großen Spaß mit dem Ding durch die Gegend zu fahren und so kamen wir auf den Gedanken, damit die Welt zu umrunden. Wenige Umbaumaßnahmen müsste man vornehmen und es wäre das perfekte Fortbewegungsmittel mit der optimalsten Reisegeschwindigkeit. Einen kleinen Kofferraum und ein wenig Platz schaffen, vielleicht noch etwas die Seiten abdichten und fertig. Wir liebten diese Idee, auch wenn sie für uns nicht umsetzbar war.




Wir endeten in einem Luxus Resort mit einem tollen Strandabschnitt und cruisten zwischen den Villen entlang. Et voila! Dort stand ein Weltreise-Golfcart-Exemplar wie es im Buche steht. Großartig. Es gehörte der Putzkolonne und hatte einen ausgebauten Kofferraum. Dort hätten unsere zwei Backpacks ausreichend Platz. Wir behalten die Idee mal im Hinterkopf und fragten uns, wieso das eigentlich noch niemand gemacht hat. Ein Buchvertrag über „Die Weltreise im Golfcart“ wäre uns jetzt schon sicher. Mindestens. Ein Filmvertrag obendrauf, Diavorträge und vieles mehr. Vielleicht sollten wir uns die Idee patentieren lassen.



Nachdem wir ausreichend auf dem Land unterwegs waren, mussten wir einfach wieder ins Wasser. Wir hätten uns nicht gewundert, wenn sich mittlerweile Schwimmhäute zwischen unseren Fingern und Zehen gebildet hätten. So schnappten wir uns zwei Kajaks und trotzten der Strömung.

Bei kurzen Ruderpausen wurden wir direkt aufs Meer hinausgetrieben. Also mussten wir unentwegt Gas geben, um nicht als Schiffbrüchige mit Wilson oder besser „Mango“ auf einer einsamen Insel zu stranden.




Der letzte Tag stand an und wir schlenderten noch ein wenig durch unser Paradies. Morgen sollte es schon weiter nach Orange Walk Town gehen und Wehmut machte sich breit. Diesen Ort zu verlassen, schmerzte bereits und wir sträubten uns innerlich dagegen. Wie wohl wir uns hier gefühlt haben und was für tolle Menschen wir kennenlernen durften. Die Eindrücke und Erlebnisse aus Placencia bleiben für immer, das war sicher. So brachen wir am frühen Morgen auf, Richtung Inland. Lediglich ein Bus fuhr am Tag Richtung Belize City, unseren Umsteigeort. Bei lauter Reggae Musik hielt der Bus alle 5 Meter an um Leute ein- oder aussteigen zu lassen. Chicken-Bus eben. Unsere verwöhnten Hintern machten sich mit Schmerzen bemerkbar und aufgrund des Platzmangels klebten unsere Oberschenkel zusammen. Na herrlich, hoffentlich vergeht die Fahrt schnell und wir kommen ohne Reifenpanne ans Ziel.



Als wir endlich in dem Örtchen Orange Walk Town ankamen, bezogen wir unsere Unterkunft. Orange Walk Town ist keine schöne Stadt und hier bleibt man nicht lange. Lediglich, um die Ruinenstadt Lamanai zu besichtigen. Einen Abstecher dorthin setzten wir für den Folgetag an und buchten die Tour bei einer kleinen Agentur. Wir hassen geführte Gruppentouren und versuchen dies so viel wie möglich zu meiden. Leider geht es an manchen Orten auf der Welt nicht anders und so wurden wir gezwungen eine Tour, inklusive Guide, Luchpaket etc. zu buchen. Der Weg zur Ruinenstadt lag versteckt im Dschungel und konnte nur mit einer 1,5 stündigen Bootsfahrt erschlossen werden.



So holte uns unser Tourguide am nächsten Morgen pünktlich ab und wir fuhren los.

Zwei weitere Passagiere waren noch an Bord und wir waren so glücklich, dass es eine so kleine Gruppe war. Wir hatten schon die Befürchtung, dass eine Armee an Touristen auf dem Boot sein würde. Unser Tourguide konnte die Tour leider nicht persönlich durchführen, aber ein Freund würde diese übernehmen. Kein Thema, dachten wir uns noch, nicht ahnend, in welche Falle wir getappt waren.

Gleich zu Beginn erzählte er uns, dass es vor ca. 30-40 Jahren über 300 Vogelarten am Fluss gab. Auf meine Frage hin, wie viele es heute sind, war die Antwort mehr als erschreckend. „Es sind nur noch fünf.“ Diese Worte werde ich nicht mehr vergessen und es macht uns einmal mehr bewusst, wie sensibel die Erde ist. Es hat Millionen Jahre gebraucht, diesen perfekten Organismus hervorzubringen. Und der Mensch zerstört ihn mit einem Wimpernschlag. Leider wird uns die Zerstörung und das Sterben der Arten auf der Reise immer mehr bewusst. Ein Appell am Ende dieses Eintrags.

Wir fuhren also mit dem Boot los und brachen in das Abenteuer auf. Es sah aus wie auf dem Amazonas und fühlte sich ähnlich abenteuerlich an. Zumindest stellen wir uns den Amazonas so vor. Nach gut 15 Minuten Fahrt hielt das Boot und setzte an einem Steg an. „Wir warten nur auf den Rest der Gruppe und dann gehts weiter.“ Oh Nein! Unsere eben noch freudigen Gedanken verdunkelten sich und als wir sahen, dass knapp 30 Menschen das Boot ansteuerten schauderten wir. Auf keinen Fall machen wir auf dem Gelände eine geführte Tour mit so einer Masse an Menschen. Da unser Tourguide verhindert war, hat er uns einfach bei einer anderen Tour mit hineingestopft. Ohne uns Bescheid zu geben, ohne irgendetwas anzudeuten. Klasse, hatten wir nicht aufgrund der kleinen Gruppengrößen und familiären Atmosphäre eben diese Agentur gebucht? Der kriegt was zu hören…

Nachdem alle noch brav pinkeln waren (es gab natürlich nur eine Toilette), ihr Hab und Gut einsammelten, noch Fotos knipsten und ihre Hüte festbanden, ging es dann nach 40 Minuten Wartezeit auch schon los.





Das Boot peitschte über den Fluss und wir hätten uns ein wenig mehr Idyll erhofft. Einmal hielt das Boot und der Guide zeigte nach links. Ein Krokodil blinzelte uns an und tauchte sogleich wieder ab. Weiter Flussaufwärts kamen wir nach gut einer Stunde an. Wir erklärten dem Guide, dass wir uns lieber ohne Gruppe und alleine auf dem Gelände bewegen möchten, da wir nur zwei Stunden zur Verfügung hatten. Kein Thema sagte er und gab uns ein Wasser. In dem Preis inkludiert war die Tour sowie freie Getränke und ein Lunch. Zu dem Lunch sagte er noch, dass es besser sei, wenn wir pünktlich um 13:00 Uhr an der Station wären. Es ist vielleicht nicht für jeden ausreichend vorhanden. Großartig, dachten wir uns und trotteten von Dannen. Die kleine Wasserflasche die wir erhielten, hätte nicht mal für die ersten 10 Minuten ausgereicht. Bei 36 Grad im Schatten und schwüler Hitze, das konnte nicht die Lösung sein. Nachdem wir ein paar Fotos bei den berühmten Masken von Lamanai machten und ziemlich enttäuscht darüber waren, dass diese nur nachgebildet sind und aus Glasfaser bestehen, beobachteten wir die Massen. Wie Hannibals Elefantenherde stammten die Reisegruppen unentwegt über das Gelände auf die alten Maya Ruinen zu. Ein paar Idioten steckten ihre Finger in die Nase der Masken und zeigten ein Mal mehr, wie respektlos sie sich gegenüber den Werten des Ortes verhalten.





Wir waren nicht großartig angetan von der Maya Stadt und trotteten ein paar Schnappschüsse später zurück. Wir wollten unsere Wasserflaschen am Boot auffüllen gehen und trafen auf einen der Guides. Halb besoffen schnauze er uns an, dass er uns doch ein Wasser gegeben hatte. Wir stutzten und fragten, ob das ein Scherz sei. „Euer Pech, dass ihr nicht bei der Gruppe seid. Die haben Wasserkanister zum Auffüllen dabei.“ Etwas baff über seine aggressive und unverschämte Art, fragten wir, ob er nicht noch zwei Plastikflaschen aus seiner riesigen Kühlbox entbehren könne. Eine kleine Flasche schmiss es uns großzügig vor die Füße und fluchte in seiner Bierlaune munter weiter. Fassungslos blickten wir uns an und hoben das Wasser auf. Ein zweites bekamen wir nicht. Ohnehin schon enttäuscht von Lamanai, hatten wir nun gar kein Bock mehr und ärgerten uns über diesen Abschied in Belize.




Nach dem Lunch gingen alle Touristen erneut brav Pipi machen, bevor wir mit dem Boot zurück nach Orange Walk fuhren. Ein Gutes hatte diese Tour dennoch. Wir haben ein Mutter-Tochter Gespann aus New York kennengelernt, die uns ihren Kontakt gaben. Die Mutter würde sich freuen, wenn wir auf unserer Reise zu einem Dinner bei ihnen vorbeikommen würden. Mit diesem positiven Gefühl versuchen wir uns nun von Belize zu verabschieden und werden immer gerne an die Zeit, besonders in Placencia, zurückdenken. Über Cancun fliegen wir dann weiter nach Havana auf Kuba. Kuba, dieses besondere Fleckchen Erde, welches die letzten Jahrzehnte fast gänzlich isoliert vor sich hinlebte.

Ähnlich unseren beiden Freunden in der Wand, sind wir voller Spannung was uns dort erwartet.




Ein Appell: Was haben wir für ein wunderschönes, zauberhaftes, einzigartiges Flecken Erde. Der perfekte Einklang zwischen allen Arten und allen Gezeiten. Es hat Millionen von Jahre gekostet, bis solch ein Einklang entstand. Der Regenwald, die Wiege von so viel Leben, beschert uns Reichtum und Regen. Die Ameisen am Boden nähren diesen mit Pilzkulturen und lassen die Bäume hoch hinaus wachsen. Das Dach des Regenwaldes schützt die Tiere, den Boden und bedeckt diesen wie ein Himmelszelt. Doch was vielen nicht bewusst ist, der Regenwald wird nicht ohne Grund abgeholzt. Er muss einer Pflanzenart weichen, welche der Natur so gar keinen Mehrwert beschert. Es muss Platz geschaffen werden, für die Menge an Ölpalmen, welche Jahr für Jahr mehr und mehr angebaut werden. Die Gier des Westens nach Palmöl ist gigantisch und das Ausmaß ekelerregend. Palmöl befindet sich in vielen Produkten, welche wir täglich so gedankenlos einkaufen. Ein berühmtes Beispiel: Nutella. Doch jeder kann auf das Produkt Palmöl verzichten. Je weniger es in den Einkaufswägen der westlichen Zivilisation landet, desto weniger wird produziert. Bitte achtet beim Einkauf ein Mal mehr darauf, welche Inhaltsstoffe sich in den Produkten befindet. Und ob es nicht eventuell eine bessere Alternative gibt. Jeder kann seinen Teil dazu beitragen diese Welt zu erhalten. In all ihrer Schönheit. Und vielleicht wächst dadurch, eines Tages, die Population der Vogelarten wieder von 5 auf über 300.