• Maj & Rouven

USA 07 - Auf den Inseln der Feuerberge

Aktualisiert: 18. Nov 2019

O`AHU | KAUA`I | BIG ISLAND


Die USA ist ein bemerkenswertes Land. Die Vielfalt, Abwechslung und besonders die Größe, machen das Reisen hier zu einem einzigartigen Abenteuer. Kein Bundesstaat gleicht dem anderen, hinter jeder Ecke lauert eine neue Geschichte, die es zu entdecken gilt. Nie wird man das Gefühl haben, das ganze Land kennen zu lernen. Nach einem ereignisreichen Städtetrip, einer Reise durch Alaskas Wildnis, unserem Roadtrip durch die Lower 48, schlagen wir mit Hawaii das vorerst letzte Kapitel in den Vereinigten Staaten von Amerika auf. Drei Wochen geht es auf die Inseln der Feuerberge. Mitten im Nirgendwo, zwischen allem und doch so weit entfernt.



Unsere Geister sehnten sich nach etwas Ruhe und Stillstand. Wir mussten verarbeiten was hinter uns lag, um uns darauf einlassen zu können, was vor uns liegt. Während des Fluges über dem endlos scheinenden Ozean schweiften meine Gedanken ab. Über vier Monate war die Welt bereits unser Gastgeber und Zeit bekommt eine vollkommen neue Bedeutung. Standen wir nicht eben erst im Karibischen Meer und feierten meinen Geburtstag auf den Bahamas? Waren wir nicht gerade noch auf Kuba und tranken Mojitos im Zigarrennebel? Saßen wir nicht gestern erst auf den Maya Ruinen in Guatemala und fühlten uns vogelfrei? War es nicht erst ein Wimpernschlag entfernt, dass wir am Hamburger Flughafen ins Flugzeug stiegen und vom bevorstehenden Abenteuer an die Hand genommen wurden? Die Zeit bekommt auf unserer Reise ein ganz neues Gesicht, eine neue Form und es wird zu einem neuen Gefühl. Wochentage fließen ineinander und werden Eins; Montag wird zu Donnerstag und Sonntag zu Mittwoch. Zeit scheint ein entscheidender Faktor zu sein und ist doch so unwichtig geworden. Ich öffnete meine Augen und blickte aus dem Fenster. Die Insel O’ahu mit der Hauptstadt Honolulu lag unter uns und bildete den Auftakt unseres Inselhoppings. In den kommenden drei Wochen machten wir uns drei Inseln zum Ziel und waren auf die Unterschiedlichkeiten gespannt. Hawaii, der Ort der Verliebten und Honeymooner, der Surfer und Freigeister. Der Ort, an dem man sich mit dem Telefonzeichen einen Gruß zuwirft und an dem Zeit wirklich keine Rolle zu spielen scheint. Aloha! Am ersten Tag zog es uns an den berühmten Waikiki Beach. Die Wiege des Surfens, die Geburtsstätte der perfekten Welle, O’ahus Herzschlag. Dass dieser Teil der Erde ein Bundesstaat der USA sein soll, konnten und wollten wir nicht glauben.

Die Kultur, das Land, die Menschen, alles schreit nach Einzigartigkeit und Eigenständigkeit. Grenzen werden auf dem Papier gezogen, nicht aber im Geist und Herzen.

Am Strand ließen wir unsere neugierigen Blicke über das Wasser schweifen. Surfer kamen aus dem Meer, während andere mit ihren Brettern gerade den Wellen entgegen paddelten. Auf Hawaii ist Surfen nicht einfach eine Sportart. Es ist eine Philosophie, eine Leidenschaft, eine Lebenseinstellung, die schon mit der Muttermilch aufgesogen wird.





Nach einem entspannten Tag flanierten wir auf der Promenade des Waikiki Beach. Neben all den Luxusmarken fiel besonders eines auf. Die vielen japanischen Touristen und Restaurants. War Honolulu das Malle auf Japanisch? Oder lediglich ein kleiner Vorgeschmack auf unser nächstes Reiseziel? Auch auf einer kleinen Insel wie O’ahu, sind wir ohne Auto aufgeschmissen. Zumindest dieser Umstand erinnert an die USA.

Am Folgetag fuhren wir mit unserem Spielzeugwagen einen Teil der Insel ab. Voller Vorfreude fuhren wir die Hanauma Bay an. Bunte Fische, Korallen und ein paar ruhige Stunden am Meer war das Versprechen der Reisebroschüre. Was dort nicht erwähnt war: „Dienstags geschlossen“.

Seit wann eine Bucht eine Öffnungszeit hat und mit schweren Eisengittern abgesperrt wird, wissen wir nicht. All unsere Bemühungen doch noch an unser Wunschziel zu gelangen, scheiterten an der Legalität. Die Köpfe hingen nur kurz runter, denn der nächste Strandabschnitt begrüßte uns schon beim Blick durch die kleine Windschutzscheibe. Wir nahmen die Einladung an. Meter hoch peitschten die Wellen an den Strand und in der Ferne riss es die ersten Surfer vom Board.





Bei dem Versuch die tobenden und schäumenden Wellen zu fotografieren, ruinierte Rouven beinahe seine Kamera und bei dem Versuch ein kurzes Bad zu nehmen, entkam ich nur mit größten Anstrengungen den Gewalten des Meeres.

Ich war kaum knöcheltief im Wasser, da griffen mich gigantische Kräfte an meinen Beinen und wollten mich in die Fluten ziehen. Für einige Sekunden war ich unfähig dagegen anzukämpfen und bekam von den Wellen einen Schleudergang verabreicht. Irgendwann ließ der Sog nach und ich konnte dem Wasser entkommen. Es wird das letzte Mal gewesen sein, dass wir das Element so unterschätzen. In sicherer Entfernung blieben wir noch einige Momente am Strand liegen und hofften, dass dieser Tag auch Schönes für uns bereit halten würde. Doch schon am nachfolgenden Sightseeingstop gab es den nächsten Nackenschlag. Was für Friseure in Deutschland der Montag, ist auf Hawaii scheinbar der Dienstag als Ruhetag vorgesehen. Zumindest für Strände und Buchten. Soweit ist es schon gekommen, dass der Massentourismus dafür sorgt, dass Strände Erholung von den Menschen benötigen…

Ein Ass für diesen Tag hatten wir aber noch im Ärmel und das zogen wir jetzt. Wir hatten Tickets für den Jurassic Park gekauft! In der Realität heißt dieser Kualoa Ranch und bot bereits zahlreichen Hollywood Filmen eine buschig grüne und bergige Kulisse. Ein alter, ausrangierter Schulbus empfing uns. Mal wieder. Garniert wurde das Ganze mit einem übermotivierten Guide, der wie auf Ecstasy anfing in sein blechernes Mikrofon zu schreien. H.P. Baxxter und Scooter hätten ihm Applaus gezollt. Während der Tinnitus erste Signale in unsere Gehörgänge sendete, zogen leuchtende Wiesen, hohe Berge, verwunschene Wälder und die Weiten des Tals an uns vorbei.






Wir konnten es kaum erwarten, die Kulisse auf eigene Faust zu erkunden und uns die Beine zu vertreten. Zu unserer großen Enttäuschung blieben die Türen des Busses jedoch die Fahrt über geschlossen. Ein zehnminütiger Fotostop war alles, der uns gewährt wurde und frustriert ließen wir den Jurassic Park hinter uns. Nach so viel Desillusionierung am heutigen Tag, wollten wir zumindest einen versöhnlichen Abschluss.

Die untergehende Sonne tauchte das vor uns liegende Honolulu in ein Purpurrot. Von unserem Aussichtspunkt sah der Diamond Head Krater aus, wie der unerschütterliche Beschützer der Insel. Die ganze Stadt schien zu glühen und wir waren angekommen. Angekommen auf den Inseln der Feuerberge.



Am nächsten Tag stand bereits unser Weiterflug nach Kauai bevor. Auf unserem Weg zum Flughafen salutierten wir kurz bei Pearl Harbour und fanden uns anschließend am Self-Check-In ein. Dieser war sehr schlecht organisiert und brachte uns zum Verzweifeln. Wenn Automaten den Menschen ersetzen sollen, dann birgt das manchmal Probleme. Am Security-Check hätten wir uns allerdings Automaten gewünscht, so übellaunig waren die Mitarbeiter. Viel Aufregung für einen 35 minütigen Flug.

Auf Kauai wollten wir schnell unseren Mietwagen abholen, wurden allerdings durch eine lange Warteschlage ausgebremst. Nach knapp zwei Stunden des Stillstands fuhr dann ein echter Klassiker für uns vor.



Der Wagen, ein Jeep Wrangler, war sehr rudimentär und ähnelte vom Interieur an Autos der 80er Jahre ohne Servolenkung. Folgerichtig tauften wir ihn auf den Namen „Rudi“.

Die Dunkelheit brach über uns herein und für die kommenden fünf Nächte sollte unser Zelt mal wieder unser Zuhause sein. Die ersten zwei Nächte wollten wir romantisch an einem Strandzeltplatz verbringen und buchten uns die „First Row“.

Die Vorstellung von Abenden voller Einsamkeit verging, als der erste Motorcross Fahrer über die Dünen peitschte und laut knatternd den Motor aufheulen ließ. Als spät am Abend endlich Ruhe einkehrte, schliefen wir zum Klang der Wellen ein und wurden am nächsten Morgen von den ersten Sonnenstrahlen geweckt. Vorsichtig lugten wir aus dem Zelt und der friedliche Anblick des Meeres, getaucht in ein wärmendes Licht der aufgehenden Sonne, lag vor uns.

Es stellte sich heraus, dass unser „Rudi“ eigentlich ein Transformer ist. Er war so wandelbar, dass wir ihn kurzerhand in ein Cabrio umbauen konnten. Oben ohne fuhren wir über die Insel und fühlten uns frei.

Wir wunderten uns bereits nicht mehr, dass unser erstes Ausflugsziel des Tages, es war eine Bucht, zwar geöffnet hatte aber für die kommenden zwei Wochen restlos ausgebucht war. WTF!

Bis heute versuchen wir verzweifelt die Regelungen der einzelnen Buchten auf Hawaii zu verstehen. Bisher haben wir keine schlüssige Erläuterung gefunden. Durch einen glücklichen Zufall bogen wir am Nachmittag auf den Hof eines botanischen Gartens und spazierten durch die vielfältige Pflanzenwelt, ganz ohne beschlagene Brillengläser. Dieser Garten benötigt kein Glasdach, keine künstliche Wärme, keine hohe Luftfeuchtigkeit, denn die üppige Natur wächst, gedeiht und blüht bei den hiesigen Bedingungen ganz von selbst. Wir lustwandelten durch ein Paradies aus den wildesten, buntesten, höchsten und schönsten Pflanzenarten, immer umgeben vom Gebirge und dem rauschenden Meer.






Die Insel Kauai ist äußerst abwechslungsreich. Innerhalb weniger Fahrtminuten wechselt die Landschaft auf dramatische Weise. Umso gespannter waren wir, was uns auf der westlichen Seite der Insel erwartet und wir verließen den Strand in Richtung Berge.

Als wir auf unserem Zeltplatz in den Bergen des Kokee State Nationalparks ankamen, öffnete der Himmel seine Schleusen. Aus Sonne, Strand und Hitze wurde Regen, Nässe und Kälte. In einer kurzen Regenpause bauten wir unser Nest auf und hofften auf Besserung. Im fünf Minuten Takt wechselten sich Sonne und Regen ab. Während sich der nächste Schauer über uns ergoss, suchten wir unter den Bäumen nach Schutz. Da raschelte es plötzlich im Gebüsch und heraus kam ein prachtvoller Hahn. Stolz präsentierte er sein rötlich und gold schimmerndes Gefieder.

Es war wohl der Müdigkeit, dem Regen und der Langeweile geschuldet, dass wir nach Rouvens Kommentar: „Der sieht aus wie Boris Becker“, minutenlang nach Luft ringend auf dem matschigen Boden lagen. „Bobbele“ pickte derweil fröhlich weiter und hatte gar nicht mitbekommen, dass wir die ganze Zeit über ihn lachten. Nach einer kalten Nacht im Zelt waren wir dankbar über die ersten Sonnenstrahlen am frühen Morgen. Da alle Wanderwege durch den Starkregen aufgeweicht und rutschig waren, ließen wir es vorsichtig und langsam an. Wir schnürten unsere Wanderschuhe fest und wagten einen Trail, der hinunter zur Na Pali Coast führte. Nach 1,5 Kilometern gaben wir allerdings auf. Zu steil, zu rutschig, zu sehr war noch der Unfall aus dem Vorjahr in Slowenien präsent.




Im Laufe des Tages wurde es immer windiger und kleine Äste und Zweige flogen über unsere Köpfe hinweg. Gleichzeitig kreisten riesige Libellen, die aussahen wie kleine Helikopter, zogen sicher ihre Bahnen durch die Lüfte und schlugen gedanklich den Bogen zu unserem Ausflug am Folgetag.

Trotz Flugangst, wollten wir unbedingt einen Hubschrauberflug über der Insel Kauai machen. Das war ein lang gehegter Wunsch von uns beiden. Und wenn man sich schon in die Hose macht, dann wenigstens über diesem spektakulären Spot.

Erstaunlich viele Vegetationen, Temperaturunterschiede, Landschaften und Stimmungen bietet diese kleine Insel und ist gerade deshalb der ideale Ort für einen Rundflug.



Der nächste Morgen war nach wie vor windig, wenn auch nicht ganz so stark. Bei ihrem Aufgang strahlte die Sonne Zuversicht in unsere müden Gesichter. Diese verwandelte sich in Sorgen, als die Piloten auf dem Rollfeld des Helikopterplatzes auf uns zukamen und uns mitteilten, dass der bevorstehende Flug „bumpy“ werden könnte. Was für ein niedliches Wort. Das klang so süß und unschuldig, war aber die größte Verharmlosung in der Geschichte der Luftfahrt.

Noch gab es einen klitzekleinen Funken der Vorfreude, der in uns loderte und wir bestiegen den türlosen Helikopter. Für die volle Dröhnung Naturschauspiel und Fotografie ohne störende Scheiben, verzichteten wir auf geschlossene Türen und sollten es schon bald bereuen.



Wir blickten uns verwundert an, dass es keine 4-Punkt Gurte zum Anschnallen gab, sondern ganz einfache Schultergurte, die man im Auto nutzt. Da schmiss der Pilot bereits den Propeller an und 50 Minuten Todesangst begannen.

Kaum waren wir in der Luft, da fing der Wind an mit dem Helikopter zu spielen und ihn und uns ordentlich durchzuschütteln. Mein Magen krampfte sich zusammen, das Adrenalin schoss durch meine Adern und mein Herz raste unaufhörlich. Es wollte schier aus meiner Brust springen. Ich krallte mich fest um eine Stange, die an meinem Vordersitz angebracht war, damit ich nicht aus dem Helikopter falle. Diese Stange ließ ich über den gesamten Flug nicht mehr los. Sie vermittelte mir zumindest das Gefühl von Sicherheit und Halt. Die andere Hand klammerte sich um die GoPro und in meiner Verzweiflung bemühte ich mich Videos und Fotos zu machen. Rouven schien es nicht besser zu ergehen und auch er knipste wie wild aus der offenen Seite. „Ein bisschen windig heute“, pfiff unser Pilot fröhlich ins Mikrofon. Bumpy… kam mir in den Sinn. Unter uns zog derweil die Landschaft wie ein Traum vorbei. Hier oben erschien es mir jedoch wie ein Albtraum. Inzwischen waren all meine Muskeln so angespannt, dass mein Bein verrückt spielte und der Oberschenkel wild zu zittern begann. Ich bekam das Bein gerade so unter Kontrolle, dass es nicht den Piloten vor mir ausknockte.

Mittlerweile pfiff auch Rouven zu meiner Rechten fröhlich durch die Gegend und summte die Melodien mit, die uns durch die Kopfhörer auf die Ohren gespielt wurden. Ich verstand die Welt nicht mehr! War der Typ wahnsinnig geworden? Etwas ungläubig schielte ich immer wieder zu ihm rüber.



Den Piloten fragte ich unentwegt, ob alles in Ordnung sei. Er sollte mir durchgehend sagen, dass alles gut ist und wir nicht sterben werden. Er lächelte vollkommen sorgenfrei und meinte nur: "Take it easy“.

In Vogelperspektive überflogen wir Wasserfälle, die Na Pali Coast, Schluchten, Vulkane, grüne Landschaften und trockene Gebirge.









Ungläubig der vielen Schönheit vor uns, war ich wütend und enttäuscht darüber, dass ich sie nicht genießen konnte. Nach einer knappen Stunde Todesangst, landeten wir unversehrt auf festem Boden. Ich löste meine verkrampfte Hand von der Stange und stieg aus der Höllenmaschine.

Meine Beine spielten nach wie vor verrückt und zuckten unkontrollierbar durch die Gegend. Zu meiner Überraschung stieg auch Rouven mit butterweichen Knien aus und offenbarte mir, dass er nie mehr in einen Helikopter steigen würde. Er hatte während des Fluges nicht etwa aus Leichtigkeit gesungen und gepfiffen, sondern kompensierte dadurch seine Furcht. In Situationen, außerhalb unserer Komfortzone, gehen wir Menschen ganz unterschiedlich mit Ängsten um. Neben uns, waren auch andere Gäste in den Wolken gewesen und allen war der Schreck ins Gesicht geschrieben. Wir waren uns allesamt einig darüber, dass es ein „Once in a lifetime“ Moment gewesen war.

Um uns langsam zu erholen und das Erlebte zu realisieren, fuhren wir an den Strand. Es regnete und die Mischung aus kühlem Meer, warmen Regen und der fortan strahlenden Sonne vermischte sich zu einer alles heilenden Medizin.



Am nächsten Tag sollte es wieder in die Lüfte gehen. Immerhin waren die Türen im Flugzeug nach Big Island geschlossen. Auf der Insel wollten wir die Füße hoch legen und zwei Wochen runterkommen und Urlaub vom Reisen machen. Hawaii Island, oder auch Big Island, ist die größte und jüngste der insgesamt 140 Inseln des Archipels und beherbergt einen der aktivsten Vulkane der Welt.



Die Ankunft am Flughafen war schon eine kleine Sensation für sich, denn das Terminal war komplett Open Air. Die Wartebereiche, Gepäckbänder, Check-In Schalter, alles ohne feste Wände und ohne Dach. Aufgeregt fuhren wir zu unserer lang ersehnten Unterkunft und freuten uns auf Ruhe, Einsamkeit und Erholung. Wir parkten unseren Mietwagen, schritten vorsichtig die Treppenstufen zu unserer Wohnung hinauf und es empfing uns das Airbnb Paradies. Unsere Erwartungen waren sehr hoch gewesen und wurden sogar mehrfach übertroffen. Die Wohnung war viel größer, als es das Inserat vermuten ließ und von der Terrasse konnte man am Horizont das Meer sehen. Das Interieur war geschmackvoll und Willkommensgeschenke, wie frische Mangos und selbst gemachte Guava Marmelade, machten diesen Ort zu einer Oase des Wohlfühlens.

Zu Bahamas Preisen füllten wir den Kühlschrank, kochten uns üppige Mahlzeiten und genossen den Moment des Stillstands. Morgens pflückten wir uns Mangos, Guavas und Passionsfrüchte im Garten und lebten das Paradies.



Unsere entzückende Gastgeberin Miho, die ursprünglich aus Japan kommt, lebte während unseres Aufenthalts unten im Haus. Sie kümmerte sich wie eine Freundin um unser Wohl und es war sehr angenehm, einen so lieben Menschen um uns zu haben.

Nach ein paar Tagen des Faulenzen im Haus, rafften wir uns auf und erkundeten die Insel. Auf unserem Weg von West nach Ost wurde es zunehmend schwärzer um uns herum und die Vulkanausbrüche der letzten Jahrtausende legten sich wie Teppiche über den Boden. Kurz vor der Zufahrtstraße des Vulkans Mauna Kea wuselten unzählige Menschen umher. Doch waren diese keine Touristen, die aus Reisebussen sprangen, sondern einheimische Demonstranten, die ihren heiligen Berg blockierten. Wir erfuhren, dass der Mauna Kea wohl für alle Zeit uns Reisenden verwehrt bleiben würde.




Als wir in die Nähe der Küste kamen, wechselte sich die Landschaft komplett. Aus tristen Lavafeldern war das blühende Leben herausgebrochen. Plötzlich waren wir nicht mehr auf dem Mond spazieren, sondern wanderten durch tropischen Regenwald. Als uns die Mücken überdrüssig wurden und mehr und mehr zerstachen, traten wir den Rückweg an. Die nächsten drei Tage verbrachten wir wieder auf dem Sofa ließen den lieben Gott einen guten Mann sein. Einzig der Volcano Nationalpark motivierte uns zum frühen Aufstehen. Wir wollten mit unseren eigenen Augen flüssiges Magma bestaunen und die Hitze spüren. Leider hatten wir bei all unserer Recherchen im Vorfeld nicht mitbekommen, das der Vulkan nach über 30 Jahren stetiger Aktivität im Jahr 2018 ausgebrochen und dann erloschen war. Zu allem Überfluss hatte er dabei große Teile der Insel zerstört. 90 % des Nationalparks sind nach wie vor so stark beschädigt, dass sie für Touristen gesperrt sind. Somit waren auf den verbliebenen 10 % natürlich viele Besucher zugegen.








Mit gemischten Gefühlen traten wir den Heimweg an und hofften darauf, dass sich wenigstens der andere Wunsch auf Big Island erfüllt. Wir wollten unbedingt Delphine in ihrer freien Wildbahn erleben. Rouven durfte diese Erfahrung bereits in Neuseeland machen und schwärmt bis heute davon. Die besten Chancen darauf, sollten wir laut Internet Recherche per Kayak vom Wasser aus haben. Früh Morgens ging es um 07:00 Uhr hinaus aufs Meer in eine kleine Bucht.

Nach einer Viertelstunde waren wir angekommen und sahen bereits aus der Ferne einen rosafarbenen Fisch aus dem Wasser springen. Dieser Fisch war bei näherer Betrachtung ein Delphinbaby, der seine Pirouetten drehte. Um uns kreisten ganze Schwärme von Delphinen, die regelmäßig aus dem Wasser sprangen. Vollkommen sprachlos beobachteten wir die Tiere, wie sie friedlich ihre Bahnen zogen und als Familienverband auf und wieder abtauchten. Zwei Stunden schwammen wir mit ihnen, schnorchelten und begleiteten sie auf ihrem Weg. Es war eine Traumwelt!




Besonders ihre verspielte Art in ihrer natürlichen Umgebung verzauberte uns. Sie waren nicht dort, weil sie mit Futter angelockt und von Touristenbooten gejagt wurden. Sie waren nicht dressiert und in Gefangenschaft, sondern lebten hier in Freiheit. Sie waren an diesem Ort, weil sie dort sein wollten. Sie kamen und gingen, wie es ihnen gefiel und genau das machte diesen Moment für uns so kostbar. Glücklich und dankbar paddelten wir zurück. Einige Tage durften wir noch im Paradies ausharren, bevor wir uns endgültig von den USA verabschieden mussten. Wir ließen die letzten drei Monate Revue passieren. Drei Monate voller Geschichten und Abenteuer. Drei Monate! Ein Wimpernschlag. Wir packten die Rucksäcke, sagten schweren Herzens unserem Zuhause und Miho Lebewohl und stiegen Open Air in den Flieger nach Japan. In der Luft überflogen wir die Datumsgrenze und die Uhr tickte binnen einer Sekunde, 19 Stunden voraus. Zeit…