• Maj & Rouven

USA 01 - Eine Stadt trägt Pastell

Aktualisiert: 7. Juli 2019

MIAMI | FLORIDA


Vor zwei Monaten startete unser großes Unterfangen einer Weltreise. Bis hierher ist es eine aufregende Zeit und wir haben Lust auf mehr bekommen. Mehr Horizonterweiterung, mehr Eindrücke und mehr Ansichten über und auf das Leben.

Jeder Grenzübergang war und ist eine neue Herausforderung, ein neues Abenteuer mit neuen Aufgaben.

Nach unserer Station Bahamas, stand nun die Einreise in die USA an. Dem Land, in dem wir die meiste Zeit unserer Weltreise verbringen werden. 90 Tage erlauben die USA den Aufenthalt ohne Visum und diese drei Monate gilt es nun optimal zu füllen. Ein Katzensprung von den Bahamas entfernt, beginnt die USA mit dem Staat Florida. Noch bei der Ausreise auf den Bahamas, passierten wir den Grenzübergang in die Vereinigten Staaten und reisten zum ersten Mal in unserem Leben noch vor Landung in ein neues Land ein. Mit dem Stempel im Pass stiegen wir in den Flieger und landeten 35 Minuten später in Miami. Je näher wir der Metropole kamen, desto fester klebte mein Gesicht am Fenster. Die berühmte Skyline lag uns zu Füßen.



Der Flughafen empfing uns im Stile der 80er Jahre und ist seither augenscheinlich nicht modernisiert worden. So schritten wir auf dem psychedelischen Teppichboden die Flure entlang und suchten vergeblich nach der Gepäckausgabe. Die Schilder waren allesamt verwirrend und die Angestellten zuckten nur mit den Achseln. Auch Mitreisende des Fluges konnten wir nicht ausmachen, da die meisten Amerikaner mit 50 kg Handgepäck unterwegs sind und dieses mit an Bord nehmen „dürfen“. Daher waren wir die einzigen Suchenden und mussten schlussendlich einen Polizisten um Auskunft bitten. Dank seiner Hilfe fanden wir dann das verlassene Rollband mit den verwaisten Rücksäcken.

Gerade noch rechtzeitig, bevor der Roboter „Wall-E“ um die Ecke gefahren wäre, um unser Gepäck zu sprengen. Spätestens nach der Detonation, hätten wir gewusst wo wir hin mussten.

So durften wir unsere Backpacks wieder auf die müden Schulter hieven und bestellten uns ein „Uber-Taxi“ Richtung Downtown.

Uber ist in den Staaten so ein gängiges Verkehrsmittel, wie bei uns die Straßenbahn. Es ist quasi die moderne Form vom Trampen. Und damit kannten wir uns seit den Bahamas bestens aus. Der ausgestreckte Daumen wird durch die Eingabe des Wunschziels in der entsprechenden App ersetzt und auf Bestellung sammeln dich die privaten Fahrer ein. Deutlich günstiger als ein Taxi und die perfekte Lösung für alle Beteiligten. Da Miami Beach unverhältnismäßig teuer ist und zudem strategisch ungünstig zu anderen Sightseeing Spots liegt, entschieden wir uns für ein Motel fernab der Landzunge. Der Straßenzug an unserem Motel wurde von vielen Leuchtschildern dominiert, die allesamt zu weiteren Absteigen zählten. Ohne Ausnahme entsprangen diese Motels den 80er Jahren und spiegelten ein Leben wieder, das wir nur von der Leinwand her kannten.

Unsere Wahl fiel auf das abgerockte Motel „Sinbad“. Die sehr herzlichen Besitzer händigten uns die Zimmerschlüssel aus, die gleichzeitig der Eintritt zu einer Zeitkapsel bedeuteten.




Welch gelungener Auftakt für Miami. Denn die 80er Jahre und das Gefühl auf einer Reise durch die Zeit zu sein, sollten uns hier noch oft begegnen.

Der Hunger brachte uns vor die Tür und wir merkten schnell, dass ohne Auto in Miami nicht viel möglich ist. Die Wege sind gigantisch weit. Ein Uber zur Pizzeria zu nehmen erschien uns falsch und nach all dem Sitzen, wollten wir uns endlich die Beine vertreten. Die Freude über den Fußmarsch erübrigte sich fünf Minuten später, als der Schweiß bereits unsere Klamotten beherrschte. Schwül, heiß und stickig war es auf den Straßen und war für uns Fußgänger eine Tortour. Nachdem wir unsere Mägen gefüllt hatten und zurück in der klimatisierten Unterkunft waren, starteten wir noch einen letzten Versuch, für New York eine Unterkunft zu ergattern. Auf den Bahamas bemühten wir uns bereits vergeblich etwas passendes zu finden und wollten das Thema nun ein für alle Mal zum Abschluss bringen. Und siehe da, die Welt kann manchmal sehr gnädig sein und wir müssen nun doch nicht unter der Brooklyn Bridge hausen.

Nach einer erstaunlich erholsamen Nacht im Retro Flair fuhren wir nach Miami Beach. Genauer gesagt zum South Beach. Uber sei Dank war die Strecke von 12 Kilometern kein Problem mehr.

Wir ahnten bereits jetzt, dass Miami uns nach all der Zeit auf den Bahamas gut tun und die dunklen Wolken endgültig vertreiben wird. Von der ersten Sekunde an mochten wir die Atmosphäre, die hier herrscht. Die Gelassenheit, die Sonne, die vielen Pastellfarben an den Hauswänden und auf den Straßen ließen uns aufatmen. Miami ist wie eine bunte Tüte mit tausend farbenfrohen Süßigkeiten und jeder Menge Geschmack.

Wir schlenderten vorbei an traumhaften Art Déco Gebäuden, beobachteten die Sonnenanbeter am Strand, die Inlineskater auf den Wegen und stellten fest, dass hier fast nur Homosexuelle unterwegs waren und die Pride Flagge überall weht.








Die Sonne stand hoch oben am Himmel und niemals wollten wir, dass dieser Tag endet. Zwischen all den schönen Farben, der Sonne, dem Meer und den fantastischen Menschen, fühlten wir uns wohl. Wir waren genau am richtigen Ort.

Für heute stand endlich an, was so lange von uns herbeigesehnt wurde. Shopping! Auf meiner Wunschliste stand utopisch viel geschrieben und ich wusste tief in mir, dass ich nicht alles kaufen konnte. Denn alles was gekauft wird, muss auch geschleppt werden. Dennoch, allein den Stoff neuer Anziehsachen zu spüren, das Ambiente beim Einkaufen und das Gefühl eine minimale Variation bei seinen Outfits kreieren zu können, ließ mein Herz höher springen. Es mag oberflächlich klingen und zum Teil kann ich es nicht bestreiten. Dennoch, die letzten zwei Monate lebte ich von fünf T-Shirts, wovon zwei ungeeignet für das Klima waren. Der Verschleiß, bei so wenig Kleidung und häufiger Handwäsche ist gigantisch groß. Nichts wie ran an den Midsummer-Sale. Der Mann an meiner Seite ist nicht weniger Konsument als ich und plünderte derweil die Männerabteilungen. Ein paar It-Pieces mehr im Gepäck, den Konsumhunger gesättigt, glücklich und zufrieden ließen wir den Tag ausklingen und kehrten zurück in unseren Neonröhren-Palast zu Sinbad.



Da Miami sehr facettenreich ist und nicht nur aus Miami Beach besteht, fuhren wir am Folgetag „Uberglücklich“ durch weitere Viertel der Stadt. Beginnend mit dem erst jüngst entstandenen Design District, der mit seinen Flagship Stores, der Detailverliebtheit an jeder Ecke und seiner Farbenfreude zu überzeugen weiß. Die Luxus Marken reichen sich hier die Hände und selbst die Fassade des Parkhauses wurde durch das deutsche Architekturbüro Jürgen Mayer H. effektvoll inszeniert.

Bestehend aus unterschiedlichen Pop-Art Elementen, prägt das Parkhaus nun das Panorama des gesamten Viertels. Hier würden wir uns von den deutschen Städteplanern mehr Mut wünschen, solche Parkhäuser auch in unserer Heimat zu bauen, wenn es doch genügend renommierte Architekten im eigenen Land gibt.



Auf dem Dach des Parkdecks räkelten sich selbstverständlich einige „hippe“ Instagrammer in gekrümmten Posen auf der Jagd nach noch mehr Fame.

Hauptsache, sie klatschen uns nicht eines Tages vor die Füße. Immer krasser, immer bunter, immer extremer geht es bei den Influencern zu, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen oder verdienen wollen. Häufig beobachten wir auf unserer Reise sehr junge Mädchen, die an Sehenswürdigkeiten in unterschiedlichen Outfits posieren. Festgehalten wird das aufwendige Shooting, durch eine professionelle und umfangreiche Kameraausrüstung. Einige schleppen sogar große Reflektoren aus Aluminium mit sich rum. Die Welt verändert sich ständig. Ob dieser „Trend“ positiv wahrgenommen wird, liegt im Auge des Betrachters. Wir finden diese Entwicklung sehr bedenklich, denn es wird eine Scheinwelt aufgebaut, die der Realität nicht entspricht.







Keine 20 Gehminuten vom Design District entfernt, liegt der angesagte Stadtteil Wynwood und aus Gucci wird Second Hand. Graffiti, kleine privatgeführte Läden, Künstler und Strassenmusiker sind in diesem Viertel zu finden. Wir durchstöberten die Galerien, bestaunten die Hauswände und würdigten die Arbeiten der ansässigen Künstler.





Die Viertel in Miami sind alle einzigartig und keines gleicht dem anderen.

So fanden wir uns später am Tag in Downtown, zwischen all den riesigen Hochhäusern, mitten in der Skyline wieder und waren auch hier überwältigt und überfordert zugleich. Volle Pulle Großstadt! Wir bummelten durch einige Läden, durchzogen ein paar Straßen und gaben irgendwann unseren müden Beinen nach. Städtetrips sind toll und anstrengend zugleich.




Es ist immer schön, auf unserer Reise bekannte Wegbegleiter zu treffen. Am nächsten Tag sollten wir Romy sehen. Gemeinsam ist sie mit Rouven vor 16 Jahren aus Celle auf eine kleine Weltreise durch Australien, Neuseeland und die USA aufgebrochen. Nach all der Zeit sind sie immer wieder mal in Kontakt. Mittlerweile lebt sie in Miami und so holte sie uns zu einem Ausflug nach Key Biscayne ab.

Dieses Treffen hätte herzlicher nicht sein können. Auch wir Frauen verstanden uns auf Anhieb gut und der gesamte Tag war geprägt von viel Humor und guter Laune. Sie lud uns zum Frühstück ein und wir erkundeten Key Biscayne, spazierten zu einem Leuchtturm, passierten große Villen und genossen die Fahrt durch Miami. Unser ganz privates Uber, Romy sei Dank. Der Austausch tat gut und es war wundervoll, jemand Bekanntes aus der Heimat um sich zu haben. Danke Romy, für diese tolle Zeit!





Der Folgetag brach an und läutete das Ende unserer Miami Etappe ein. Wir staunen immer wieder, wie schnell die Zeit vergeht.

Floridas bekannte Sumpf- und Graslandschaften in den Everglades und Key Largo sollten unsere heutigen Ziele werden und wir mieteten uns ein Auto. Morgens begrüßte und das Wetter mit dunklen Wolken, starkem Regen und lautem Donnergrollen. In der Hoffnung, dass es sich noch verzieht, fuhren wir los in Richtung Everglades. Immer dem Starkregen entgegen. Fährt man auf den Straßen der USA, beschleicht einen immer wieder das Gefühl, dass die Amerikaner ihren Führerschein entweder im Lotto gewinnen oder an einem einzigen Tag absolvieren. Und tatsächlich, der Führerschein in den USA besteht lediglich aus einem kurzen Theorie Test und einer Probefahrt auf einem Parkplatz. Und das Resultat sieht man dann auch deutlich auf den Highways im Land der unbegrenzten Möglichkeiten…



Sie fahren rücksichtslos, kommen von allen Seiten, sind nur am Handy und haben von Verkehrsregeln nicht die leiseste Ahnung. Wichtig ist nur, dass ihr Wagen dicker als der vom Nachbarn ist. God bless America.

Mittlerweile kam der Regen von allen Seiten und an einen Ausflug nach Key Largo war nicht mehr zu denken. Da unser Toyota nicht mal einen Scheibenwischer für die Rückscheibe hatte, fiel das fahren bei solch heftigen Schauern ohnehin schwer. Als alternatives Ausflugsziel wurde das nächstbeste Outletcenter angefahren. Das lag kurz vor den Everglades und wenn es doch so stark regnet, dann muss man sich ja irgendwie die Zeit vertreiben. Unsere Konsumnasen wurden vom Duft des Sales förmlich in die Läden gelockt und der Magnetstreifen der Kreditkarte wurde des Öfteren durch das Kassensystem gezogen.

Es war inzwischen Nachmittag, die Wolken hatten sich fast verzogen und einem Ausflug zu den Everglades stand nichts mehr im Wege.

Abenteuerlich sausten wir in einem Airboat über die Mündungen des Sumpfgebietes. Eine komplett andere Welt erstreckte sich vor uns. Nichts mehr mit Hochhausfaszination und Pastellnostalgie. Pure, wilde Natur umgab uns. Der laute Motor des Bootes vibrierte und der Fahrer peitschte über das Wasser.




Bei einem Stop erklärte er uns Wissenswertes über die ansässigen Krokodile sowie der hiesigen Flora und Fauna. Fasziniert bestaunten wir ein frisches Krokodil Nest neben unserem Boot und wunderten uns noch, dass Krokodile Nester bauen. Da steckte unser Airboat auch schon im Dickicht der Sumpfgräser fest. Kein Problem für unseren Crocodile Dundee Guide, der bereits mit einem großen Keil und guter Laune das Boot aus dem Schlamm stemmte. Und da hörten wir es. Ein lautes Fauchen ertönte und schoss uns Touristen durch Mark und Bein.

Es blubberte aus dem Wasser, zwei große Augen und eine lange Schnauze kamen zum Vorschein und das Muttertier präsentierte sich.



Unser Boot in der Nähe ihrer Babys gefiel ihr ganz und gar nicht und sie gab ohrenbetäubende Warnsignale von sich. Der Guide, unter Einsatz seines Lebens, ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und werkelte weiter mit dem Keil herum. Kurz vor einem bevorstehenden Angriff, schaukelten wir heile aus dem Schlamm und brausten davon. Nichts wie weg hier. Es blieb das einzige Krokodil, dass wir zu Gesicht bekamen und so düsten wir zufrieden und mit einer Geschichte mehr im Gepäck zurück in die 80er Jahre.



Wie behielten den Mietwagen und verließen am nächsten Tag Miami in Richtung Orlando. Der Weg führte uns am Meer entlang, vorbei an Ford Lauderdale. Wir genossen die Unabhängigkeit mit dem Auto. So reist es sich wesentlich angenehmer, als in irgendeinem stickigen alten Bus.

Einzig das Kennedy Space Center in der Nähe Orlandos war unserer Ziel. Vorherige Berichte erhielten sowohl positive als auch negative Rückmeldung und so ließen wir uns, frei von jeglicher Meinung, auf das Space Abenteuer ein. Schon sehr früh am Morgen brachen wir auf und unsere Müdigkeit sollte den ganzen Tag unser Begleiter bleiben. Genau, wie die unnormale Hitze, die wir beim Verlassen der Unterkunft bereits zu spüren bekamen. Es fühlte sich an, als würde die Haut förmlich verbrennen und die Sonne viel näher an uns dran sein. Ein merkwürdiges und unangenehmes Gefühl…

Als wir die Sicherheitskontrollen am Eingang des Space Centers überwunden hatten, machten wir uns sogleich auf den Weg in Richtung Raketen-Tour. Eine 45 minütige Fahrt später gelangten wir zum Apollo Mission Center. Die ausgestellte Rakete und die vielen Details sprachen uns an und die Information, dass mehr als nur eine bemannte Rakete auf dem Mond landete, war uns neu. Wir dachten immer, dass neben Neil Armstrong und Buzz Aldrin nur noch Tim und Struppi auf dem Mond waren.









Wir lernten dazu, tauchten in die Welt der Astronauten und Forscher ein und hinterfragten dennoch die ein oder andere „Wahrheit“ des heutigen Tages.

Das gesamte Kennedy Space Center war darauf ausgelegt, die USA in seiner vollen Pracht darzustellen und den Stolz des Landes mit übertriebenem Patriotismus zu präsentieren. Der Wetteifer, immer die Nr. 1 der Welt zu sein, war allgegenwärtig. Der Tag verging wie im Fluge und nach 10 Stunden Wissbegierde, machten wir uns wieder auf den Rückweg. Wir freuten uns auf die bevorstehende Zeit in New Orleans und sagen goodbye Florida, Du regnerischer Sunshine State.